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Veranstaltungsrückblicke von Dessau

 

Vorträge und Gespräche zum Thema Prostatakarzinom in der Laurentiushalle

Zu Risiken und Nebenwirken lesen sie bitte im Internet und befragen ihre Nachbarn oder Talkmaster? Zwischen Informationsflut, Schlagzeilen-Mentalität und der Allmacht der Wirtschaftlichkeit geraten Patienten zunehmend in Verunsicherung.
„Prostatakarzinom - Ein Reizthema mit enormer Konsequenz“ war ein Informationsnachmittag in der Laurentiushalle der Anhaltischen Diakonissenanstalt (ADA) überschrieben. Eingeladen hatten Urologen aus Dessau sowie die Urologische Klinik des Diakonissenkrankenhauses Dessau (DKD), ein zertifiziertes Prostatakarzinom-Zentrum, mit dem Ziel ein umstritten diskutiertes Thema in seiner Komplexität darzustellen. Nach einer Studie des Robert-Koch-Instituts ist der Prostatakrebs mit über 24 Prozent aller Tumorlokalisationen die häufigste Krebserkrankung bei Männern. Mag es auch eine große Anzahl von Fällen geben, welche die Lebensqualität und -dauer kaum oder gar nicht beeinträchtigen, so sterben jedoch in Deutschland jährlich 12.000 Menschen an dieser Erkrankung.
Die eingangs erwähnte Patientenverunsicherung führt nicht nur zu einer Beeinträchtigung des Patienten-Arzt-Verhältnisses und gestaltet Aufklärungsgespräche immer komplizierter. Schlimmer noch: Fachärzte nehmen eine Prognoseverschlechterung bei Prostatakrebs durch Gefährdung der Krebsfrüherkennung wahr. „Wir sehen wieder fortgeschrittenere Befunde, sehen wieder kränkere Patienten“, sagt in Sorge Professor Udo Rebmann, Ärztlicher Direktor des DKD und Chefarzt der Urologischen Klinik. So war die Krebsfrüherkennung auch ein zentrales Thema des Informationsnachmittages, an welchem vier klinische und niedergelassenen Fachärzte, neben Professor Rebmann die promovierten Urologen Sally-Juana Müller-Herzog, Wolfgang Lessel und Mike Lenor, referierten. Die Themen: Früherkennung, Therapiemöglichkeiten, Hormon- und Chemotherapie, neue Medikamente und die Überwachung ohne Therapie. Deutlich wurde, dass die Therapie, bzw. Therapiefolge immer komplexer und individueller wird, immer den Befund in das Verhältnis zur körperlichen, psychischen und sozialen Verfassung des Patienten setzt.
Dass Krankheit auch sozialpolitische Aspekte hat, wird deutlich, wenn man bedenkt, dass eine Behandlung, die das gesamte Krankheitsbild mit allen therapeutischen und diagnostischen Möglichkeiten umfasst inklusive der Verabreichung neuester Medikamente (Sequenztherapie) zur lebensverlängernden Behandlung etwa 1,2 Millionen Euro kosten kann. Kosten, welche die Kassen tragen.
Die Maßnahmen zur Früherkennung werden hingegen zunehmend kontrovers diskutiert. Die digital-rektale Tastuntersuchung ist kein probates Mittel der Früherkennung. Denn ein durch den sprichwörtlichen Urologenfinger im Enddarm diagnostizierter Befund bedeutet immer ein fortgeschrittenes Stadium. Trotzdem gerät der PSA-Test (Prostata-spezifisches Antigen, ein Eiweißstoff, der in der Prostata gebildet wird) in Misskredit. Einer Studie zufolge wird von 1041 getesteten Männern (unauffälliger Durchschnitt zwischen 50 und 70 Jahren) ein Proband gerettet, ein Sterben verhindert. „Nur“, heißt es zuweilen. „Nur“ wiederholt Rebmann und fragt: „Möchten Sie der eine sein, dem nicht geholfen werden kann?“
Ja, der PSA-Test zeigt nicht jeden Krebs an. Und ja, ein erhöhter Wert bedeutet längst nicht in jedem Fall Krebs. Dennoch gebe es, so Lessel, keinen besseren Hinweis, der nach Auswertung und Beobachtung zu Folgediagnosen wie etwa Biopsie, sprich Gewebeentnahme führe. Deshalb die Empfehlung: Gerade bei jüngeren Männern verweise ein erhöhter altersadaptierter PSA-Wert auf ein Risikopotential. Bei folgender regelmäßiger Beobachtung könne vieles verhindert werden.
Von diesem langen Nachmittag in der Laurentiushalle bleibt neben den vielen Einzelfragen der zahlreichen Betroffenen, neben vielen spezifischen Themen und den Verweisen auf die von den Kassen getragene, sportmedizinisch begleitete Bewegung sowie auf die Tumorkonferenzen im DKD, die interdisziplinär auch Fälle von nicht im Haus behandelten Patienten besprechen, ein Plädoyer für die Früherkennung, für den PSA-Test.

vl.: Professor Udo Rebmann, Ärtzlicher Direktor DKD, Horst Pauly, Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e.V.
vl.: Professor Udo Rebmann, Ärtzlicher Direktor DKD, Horst Pauly, Bundesverband Prostatakrebs Selbsthilfe e.V.
Dr. Wolfgang Lessel (Magedeburg)
Dr. Wolfgang Lessel (Magedeburg)
Dr. Wolfgang Lessel (Magdeburg), Professor Udo Rebmann (DKD), Dr. Mike Lenor (Dessau)
Dr. Wolfgang Lessel (Magdeburg), Professor Udo Rebmann (DKD), Dr. Mike Lenor (Dessau)